Ein Gespräch mit Omer Taha, Leiter unserer Einrichtung in Mossul

Omer Taha ist Leiter des Behandlungszentrums der Jiyan Foundation in Mossul. In diesem Gespräch spricht er über die Herausforderungen und Erfolge der Arbeit in einer zerstörten Stadt.

Das Behandlungszentrum in Mossul wurde im Jahr 2018 eröffnet. Wie würden Sie diese erste Periode ihrer Arbeit beschreiben?

Es war hart, aber wir haben viel erreicht. Ich bin stolz darauf, dass wir trotz der Schwierigkeiten, die uns die Behörden machen, nicht aufgegeben haben und das Zentrum endlich eröffnen konnten. In einer Stadt, die auf eine dreijährige Besetzung durch den so genannten IS und einen langen blutigen Befreiungskrieg zurückblickt, ist eine solche Einrichtung sehr wichtig..

Was haben Sie bisher erreichen können?

Jeden Tag kommen mehr Menschen zu uns, Menschen jeden Alters. Die meisten kommen zu uns, um kostenlose Medikamente zu erhalten. Während der Besetzung durch den IS hat die irakische Regierung die Krankenversicherung für die Bevölkerung von Mossul gestoppt und bis heute wurde sie nicht wieder eingeführt. Daher ist der Bedarf an medizinischer Behandlung enorm. Psychische Erkrankungen sind in der Bevölkerung nach wie vor stark stigmatisiert. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, dass wir Ärzte im Team haben, die ihre Klient*innen zur psychotherapeutischen Behandlung überweisen. Da es in Mossul an Infrastruktur mangelt, die Straßen zerstört sind und die öffentlichen Verkehrsmittel unregelmäßig verkehren, ist es sehr schwierig für die Patient*innen, regelmäßig zu unserem Zentrum zu kommen. Um ihnen den Weg zu erleichtern, erstatten wir den Fahrpreis mit dem Taxi. Viele Menschen leben in einer solchen Armut, dass sie stattdessen mit dem Bus kommen und die Differenz für den Einkauf von Lebensmitteln sparen. Wir sind sehr froh, diese Erstattungen anbieten zu können, denn sie stellen eine wichtige Unterstützung für die Menschen dar.

Könnten Sie ein bisschen mehr über die Situation in Mossul sprechen? Was sind die aktuellen Herausforderungen in der Stadt?

Mossul ist eine Stadt in Trümmern. Der östliche Teil der Stadt ist fast vollständig zerstört. Mehr als zwei Jahre nach der Befreiung wurde kein Haus wiederaufgebaut und keine Straße von den Trümmern befreit. Die meisten Krankenhäuser der Stadt existieren nicht mehr. Die wenigen, die es noch tun, liegen alle am Westufer des Tigris und sind schlecht ausgerüstet. In Mossul, einer Metropole mit drei Millionen Einwohnern, gibt es keine einzige Intensivstation. Von den fünf zerstörten Brücken über den Fluss wurde bisher nur eine wiederaufgebaut und auch diese kann jeweils nur in eine Richtung gleichzeitig befahren werden. Es kann also sein, dass jemand auf der Ostseite der Stadt bis zu vier Stunden braucht, um den westlichen Stadtteil zu erreichen. Bei schweren Verletzungen oder Erkrankungen kann es oft zu spät sein, bis eines der verbliebenen Krankenhäuser erreicht ist. Dies geschah einem Freund von mir, der es nach einem Autounfall auf der Ostseite nicht ins Krankenhaus am Westufer schaffte. Er starb an einer Verletzung, die sonst leicht zu behandeln gewesen wäre.

Warum wurden bisher so wenige Bauarbeiten abgeschlossen oder gar nicht erst begonnen?

Ich frage mich das Gleiche. Die irakische Zentralregierung zeigt wenig Interesse daran, den Menschen hier das Leben zu erleichtern. Die Stadt wird meiner Meinung nach systematisch vernachlässigt, was sich nicht nur in dem Mangel an Wiederaufbau widerspiegelt, sondern auch in der fehlenden Bereitschaft, den Menschen in Mossul ihre Krankenversicherung zu stellen.

Was ist erforderlich, um das Leid der Menschen zu lindern und wie kann das Zentrum der Jiyan Foundation hierzu seinen Beitrag leisten?

Wir tragen bereits dazu bei, das Leid der Menschen in der Stadt zu lindern. Wir geben Menschen Zugang zu kostenlosen Medikamenten, die sie dringend benötigen, und bieten ihnen psychotherapeutische Behandlungen an. Durch Mundpropaganda konnten wir viele Menschen erreichen, und das ist großartig. Wenn wir mehr Menschen helfen, teilen sie ihre Erfahrungen mit ihren Gemeinden und wir können unser Netzwerk auf diese Weise schrittweise erweitern. Wir sind hier jedoch noch neu und benötigen mehr Ressourcen, um die Vielzahl der schwerwiegenden Krankheiten zu behandeln. Natürlich kann dies nicht eine langfristige Entwicklungsstrategie für die Stadt Mossul ersetzen. Die Menschen brauchen Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung, Zugang zu einer Krankenversicherung, sie müssen sich frei und sicher in ihrer Stadt bewegen können und vor allem die Möglichkeit haben, Geld zu verdienen, um ihre Familien zu ernähren und ihre Häuser wiederaufzubauen. Ich bin sehr stolz darauf, dass die Jiyan Foundation einen echten und praktischen Beitrag zu einigen dieser Bedürfnisse leisten kann, aber wir können dies nicht alleine tun. Wir brauchen mehr Unterstützung. Wir haben bewiesen, dass wir bei unserer Arbeit sehr effektiv sind und unsere Patienten freuen sich sehr, in das Zentrum zu kommen. Jetzt gilt es, genügend Ressourcen zu sammeln, um noch mehr Menschen zu erreichen.

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info@jiyan-foundation.org

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